Solarmobil

Beim Begriff "Solarmobil" werden Bilder in Erinnerung gerufen, die man aus Berichten über die internationalen Solarmobil-Rennen kennt. Niedrige schnittige Flitzer mit einigen m2 Solarzellen belegt. Sie erzielen zwar hohe Geschwindigkeiten, bleiben aber, nachdem einige Wolken aufgezogen sind, in der nächsten Parkbucht hängen und warten auf gutes Wetter. So hat sich der Eindruck entwickelt, allerdings mit wohlwollender Unterstützung der Medien, daß sich Solarmobile für den Alltagsgebrauch nicht eignen. (siehe SZ 30.7.91) Den Idealisten der ersten Stunde lag daran, sich ausschließlich mit solarer Energie zu bewegen. Was lag da näher, als die erforderlichen Solarzellen einfach auf das Dach des Vehikels zu schnallen. Konzepte, bei denen die Solartankstelle vom Fahrzeug getrennt ist, werden argwöhnisch verfolgt, berechtigterweise. Denn was liegt als nächster Schritt auf der Hand: Das Elektro-Auto mit anonymer Versorgung aus dem Netz, d.h. versorgt aus fossilen und atomaren Quellen. Die Entwicklungsrichtung der letzten Jahre gibt den Skeptikern recht. Die originellen, leichtläufigen und nur durch die Sonne angetriebenen Kisten, die sich mit einem Minimum an Energie begnügten, werden mehr und mehr durch die Kraftmeier alter Couleur (beispielweise BMW-E1, VW City-Stromer etc.) an die Wand gespielt. Aber auch demonstratives Spazierenfahren eines Solarmoduls auf dem Dach des einen oder anderen Mobils ändert nichts an der Tatsache, daß der Energiebedarf eines alltagtauglichen Solarmobils auf diese Weise nicht gedeckt werden kann.
Die Vorteile der Trennung der Solartankstelle vom Fahrzeug sind offensichtlich.

  - Beliebige Größe des Solargenerators
- Optimale Ausrichtung möglich

Man sollte diese Vorteile nutzen, aber in der Sache "Solarmobil" konsequent bleiben. Hält man sich an folgende Regel, bleibt das Solarmobil "sauber", auch ohne Solarzellen auf dem Rücken :

Ein Solarmobil besteht aus Fahrzeug und Solargenerator. Der Solargenerator deckt den Energiebedarf des Fahrzeugs.

Mit anderen Worten :
Ein Elektro-Mobil wird durch Bereitstellung eines entsprechend dimensionierten Solargenerators zum Solarmobil.
Dabei ist es unerheblich, ob

  - der Solargenerator autonom betrieben wird
- der Solargenerator im Netzverbund arbeitet
- entsprechende Anteile an einer Solarfarm erworben werden

Ausschlaggebend ist die Gesamtbilanz beim Betrieb des Solarmobils. Diese muß ergeben, daß außer der Sonne keine zusätzlichen Energiequellen erforderlich sind. (Mit "Sonne" sind natürlich alle regenerativen Energiequellen gemeint, also auch Wind, Wasser und Biomasse, auf welche hier aber im speziellen nicht eingegangen werden kann. Die DWG [3] hat mich inzwischen darauf hingewiesen, daß Windgeneratoren sogar ideale komplementäre Eigenschaften zu PV-Generatoren besitzen und von einigen Solarmobilbesitzern auch verwendet werden.) Bei der Kombination Solarmobil und Solargenerator im Netzverbund (Bild 7) ergeben sich folgende Vorteile:

 

Solar erzeugte Energie muß nicht gespeichert werden, sondern kann durch andere verbraucht werden.

Die für das Solarmobil benötigte Energie kann jederzeit entnommen werden, auch wenn keine Sonne scheint.

Der Solargenerator speist "teuren" Tagesstrom ins Netz, das Solarmobil kann mit "billigem" Nachtstrom betrieben werden.

Durch die gute Infrastruktur des Stromnetzes kann an jeder Steckdose getankt werden. Verbesserte Versorgungssicherheit

Aber auch bei dieser Lösung wird es noch Nörgler geben, die einwenden, daß ein Solarmobil dann eben doch phasenweise z.B. Atomstrom tankt. Sie werden unterdrücken, daß dafür andere Verbraucher im Verbund phasenweise mit Solarstrom versorgt werden. Es ist wie mit der Bank: Wenn man das selbstverdiente Geld abholt, ist es ohne Belang, ob der gleiche Betrag durch die Caritas oder durchs Puff eingezahlt wurde. Alle nehmen am Banken-System teil. Pecunia non olet (Geld stinkt nicht). Das gleiche gilt für den Strom. Auch bezüglich der Gesamtbilanz werden teilweise konfuse Überlegungen angestellt. So zitiert die SZ am 30.7.91 aus einem Bericht des TÜV Rheinland zum Thema Sonnenenergie : ²Wollte man die Ladestationen (für die Solarmobile) das ganze Jahr über ausschließlich über photovoltaische Solarenergieanlagen betreiben, die auf Hausdächern installiert sind, so reichen ... im Großraum Köln nach Berechnungen des TÜV Rheinland die Dachflächen hierfür bei weitem nicht aus.² Da kann man nur zurückfragen : Wie weit reichen eigentlich die Kölner Ölquellen zum Betrieb der Autos ? Tatsache ist : Auf deutschen Dächern ist Platz für über 10.000.000 Solargeneratoren zu je 10 kW. Dies ergibt 100.000 MW. Diese Solaranlagen könnten 1/3 des heutigen deutschen Strombedarfs decken.

Seit Januar 1991 habe ich ein Elektromobil, Marke Mini-El, im Betrieb, welches durch Installation eines Solargenerators inzwischen zum reinen Solarmobil mutierte. Dies war möglich, weil die Isar-Amperwerke AG, teils aus eigener Überzeugung, teils aus Zwang, den Betrieb des Solargenerators im Netzverbund ermöglichen. Durch diese Unterstützung, im übrigen die 1. Solaranlage im Netzverbund bei der Isar-Amperwerke, ist erst das Solarmobil im Netzverbund möglich. Mit meinem Dank an die IAW verbindet sich gleichzeitig der Wunsch, daß in Zukunft auch anderen alternativen Energiequellen der Zugang zum Verbund ermöglicht und wirtschaftlich attraktiv gestaltet wird. Bei der Umstellung von einem klassischen Automobil auf ein Solarmobil konnte ich neue Erkenntnisse gewinnen, von denen hier einige aufgezählt werden

  Es hat sich eine neue Einstellung im Umgang mit Energie entwickelt. So werden die Vorgänge Beschleunigen, Rollen und Bremsen immer unter dem Aspekt des Energieaufwandes gesteuert.

Es ist ein angenehmes Gefühl, fast lautlos zu fahren. Es ist inzwischen ein sehr unangenehmes Gefühl, den Gestank und Lärm der anderen Verkehrsteilnehmer konsumieren zu müssen.

Der Fahrkomfort des Mini-El ist äußerst spartanisch. Die Federung ist so schlecht, daß man das Vehikel auch als Spürgerät bei der Erstellung eines Kanaldeckel- und Schlaglochkatasters verwenden kann.

Aufgrund der Größe ergeben sich immer wieder überraschende Parkmöglichkeiten.

Von den anderen Verkehrsteilnehmern wird das Solarmobil überwiegend freundlich aufgenommen. Aber auch absolut negative, ja sogar gefährliche Reaktionen können beobachtet werden.

  Es kommt immer wieder vor, daß Unbekannte im PKW, im Bus oder im LKW mir freundlich zuwinken oder -blinken.

Die Neugierde ist teilweise so groß, daß sich deshalb Schlangen bilden. Nicht deshalb, weil meine 1,06 m Breite ein Verkehrshindernis darstellen.

Von manchen werde ich aufgrund des niedlichen Eindrucks, das mein Gefährt erweckt, nicht als vollwertiger Verkehrsteilnehmer akzeptiert. Daher wird mir oft die Vorfahrt genommen. Es ist daher eine wesentlich höhere Aufmerksamkeit erforderlich als in einem normalen Auto.

Manche Hunde können sich mit der Erscheinung einfach nicht anfreunden und versuchen den Kleinen zu fangen.

Es wird angenommen, daß ein natürlicher Ausleseprozeß im Bereich schwerhöriger Hühner in meinem Heimatort begonnen hat.

Solange ich einen klassischen Pkw gefahren habe, wurde mir nie der Vorwurf gemacht, ich sei ein Umweltverschmutzer. Jetzt dagegen wird mir ab und zu vorgehalten, über die Emissionen der Kraftwerke die Atmosphäre zu schädigen.

Aus Sorge über einen eventuell entstehenden Frust wegen der Lautlosigkeit meines Fahrzeugs haben mir Kollegen eine Kassette mit dem Sound eines Porsche und eines Maserati geschenkt. Hin und wieder läßt sich damit schon Eindruck schinden.

Alles in allem sind die Erfahrungen sehr gut. Im letzten Jahr habe ich ca. 10.000 km zurückgelegt und dabei ca 900 kWh verbraucht. Nachdem der Solargenerator ca. 900 kWh/anno erzeugt, ist der Begriff ²Solarmobil² gerechtfertigt. Die Entwicklung von Solarmobilen steht meines Erachtens erst am Anfang. Aufgrund der jetzigen technischen Möglichkeiten im Halbleitersektor ergeben sich gute Perspektiven vor allem bei der Weiterentwicklung des Antriebes. Auch im kritischsten Bereich, der Energiespeicherung sind bereits Weiterentwicklungen im Gang bis hin zur Ideallösung, der Speicherung von Wasserstoff und der Umsetzung in Brennstoffzellen. Ich hoffe auf positive Weiterentwicklung, steigende Akzeptanz in der Bevölkerung und etwas mehr ökologisch orientierten Journalismus.